Aci heißt übrigens scharf – Türkischer Bulgursalat „Kısır“

Ich weiß ja nicht wie es bei Euch so war, aber ich bin in kulinarischer Hinsicht eher simpel aufgewachsen.  Es gab diese typischen Familiengerichte, die mit Kindern einfach funktionieren. Und das meine ich nicht einmal negativ. Das Essen zu Hause war eine sichere Bank. Da wusste ich eigentlich immer was mich erwartet und ich musste eigentlich keine Angst haben, dass meine Mutter sich plötzlich, von der kulinarischen Muse geküsst, auf exotischen Nahrungsmittelpfaden verirren könnte. Da fühlte es sich schon unheimlich experimentierfreudig an, wenn eine Mango auf dem Tisch landete.

 Na gut, da gab es mal so eine Phase… die Biolek-Phase… da schmatzte und schlürfte sich Alfred Biolek mit seinen Gästen regelmäßig am Wochenende über unseren Fernsehschirm. Und so landete dann Alfreds Kochbuchsammlung im Regal und das Provenzalische Huhn auf dem sonntäglichen Mittagstisch. Und wir waren schnurstracks zu rebellischen Haute-Cuisine Köchen avanciert.

Ja, die 90er und auch die frühen 2000er waren eben nicht so abwechslungsreich. Heute ist das natürlich alles ganz anders. Heute bekommen wir Jahr ein, Jahr aus einfach alles, was das Herz begehrt. Ich habe das Gefühl, in den Küchen unseres Landes ist die Globalisierung am deutlichsten spürbar.

Und ich gebe zu, die Masse des Angebots erschlägt mich mitunter. Ich habe euch ja schon mal von meiner ersten Begegnung mit einer Pomelo erzählt. Genauso ratlos, wie ich es damals war, bin ich es heute auch immer wieder. Topinambur, Chia, Okra, Quinoa und wie sie alle heißen. Ich weiß oft gar nicht, was ich mit diesen Produkten anfangen soll. Klar, Google ist dein Freund und alles lässt sich irgendwie herausfinden, aber wenn ich dann vor den Chia Samen im Naturkostladen meines Vertrauens stehe, entscheide ich mich doch immer wieder gegen das Experiment. Denn unter uns gesagt, wenn ich mich bei den Food-Blogger Kollegen so umschaue, locken mich die euphorischen Jubelschreie, die die kleinen Samen auslösen. Aber optisch macht mich die ganze Sache dann doch nicht so an. Wenn meine Mutter mir vor 20 Jahren Chia Pudding vor dir Nase gestellt hätte, hätte ich bestenfalls die Schüsse weggeschoben und die schwarzen Punkte im Essen bemängelt.

Ich will gar nicht sagen, dass die ganzen neuen hippen Szeneprodukte schlecht sind. Aber manchmal wird es mir dann doch etwas zu viel Firlefanz und Tam Tam. Vanillepudding ist doch auch lecker… aber eben nicht neu. Und da ist dann auch kein neues, hippes, exotisches Zeugs drin.

Hach… Food-Trends und ich… ich liebe sie, ich hasse sie. Und zwar beides aus vollstem Herzen.

Ein Getreide, an das ich mich mittlerweile gewöhnt habe, ist Bulgur. Das war für mich auch total neu, als ich vor 8 Jahren aus dem heimischen Nest aus- und in meine erste WG einzog. Bei uns zu Hause gab es halt Reis, Nudeln und Kartoffeln. Da war Wildreis schon die krasse Ausnahme. Mein Mitbewohner war ausgesprochener Bulgur-Fan und so lernte dann auch dieses Weizenprodukt kennen. Ich habe ja mittlerweile schon öfter mal mit Bulgur gekocht, nun kam aber ein erneuter Versuch dazu.

Bei der Arbeit war ein gemeinsames Team-Frühstück geplant und jeder sollte was mitbringen. Ich bin mit solchen „Jeder bringt was mit“ Geschichten immer total überfordert. Ich kann es nicht über mich bringen, einfach nur ein Glas Marmelade zu kaufen. Aber übertreiben will man es ja irgendwie auch nicht. Mit der Hilfe meiner Kollegen entschied ich mich dann schon mal grob für einen Salat. Aber nix grünes, sondern Kartoffelsalat oder sowas. Irgendwer sagte „Couscous“ dann fiel „Bulgur“ und schon wurde ich belehrt:“ Bulgursalat kann man nur auf eine einzige Art machen!“

„Kısır!“

„Gesundheit!“

Was ich nicht kenne, probiere ich gerne aus und so ließ ich mich mit einer Einkaufsliste versorgen:

Ihr braucht:

biber salçası (Paprikamark)

domates biber salçası (Tomatenmark)

feiner Bulgur

viel Zitronensaft (2-3 Zitronen)

viele Frühlingszwiebeln (bei mir war es ein großer Bund)

Frische Tomaten, Paprika und Salatgurke.

Frische Kräuter (glatte Petersielie und Minze)

Nachdem ich mir alles akribisch aufgeschrieben hatte (zur Not wollte ich im türkischen Laden den Zettel hochhalten, da ich niemals die türkischen Worte aussprechen könnte), machte ich mich auf die Jagd nach den Zutaten.

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Tja, nun hatte ich alles zusammen und auch eine grundsätzliche Idee, was am Ende draus werden sollte, aber leider hatte ich keine Ahnung, wie so ein Kısır überhaupt schmeckt. Und da dachte ich an meinen Mitbewohner zurück, der immer eine ganz bestimmte Art hatte, den Bulgur zuzubereiten. Und das machte ich dann auch so.

Ich stellte einen Topf auf den Herd und ließ etwas Öl darin heiß werden. Dann gab ich einen Esslöffel von dem Paprikamark und zwei Esslöffel von dem Tomatenmark dazu und röstete beides kurz an.

Währenddessen spülte ich den Bulgur (2 Tassen voll) und gab ihn dann in den Topf, wo ich auch den Bulgur kurz mitröstete. Dann goss ich so viel Wasser auf, dass der Bulgur schwach bedeckt war und kochte alles noch einmal auf. Dann runter vom Herd, Deckel drauf und für 1 Stunde stehen lassen, bis der Bulgur vollständig aufgequollen ist.

Achtung: biber salçası (Paprikamark) gibt es in süß/mild (tatli) und scharf (aci)

Tomaten, Paprika und Gurke werden fein gewürfelt. Ich bin, was sowas angeht, ja eher der rustikale Typ und mag es grob, aber die Kolleginnen hatten ausdrücklich kleine Würfel verlangt und so wollte ich der Anforderung Genugtuung leisten. Ich hielt mich für ganz schlau und holte den „Nicer Dicer“ aus dem Schrank. Der kann kleine Würfel! Ich sollte am nächsten Morgen lernen, dass der Nicer Dicer im Vergleich zu türkischen Hausfrauen das Gemüse gerade und eben mal grob zerhackt und wirklich nicht fein würfelt. Wer also die volle türkische Erfahrung haben will, sollte zuvor an seiner Geduld und Ausdauer beim Gemüseschneiden arbeiten. Wenn ihr das Gemüse im Endprodukt kaum noch sehen könnt, ist es gerade fein genug (Ich wette das ist einfach nur ein Trick türkischer Mütter, um ihren Kindern Gemüse unterzujubeln).

Danach wird das Minigemüse im Bulgur versteckt.

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Anschließend habe ich die Frühlingszwiebeln in feine Ringe geschnitten und dazu gegeben. Dann habe ich noch ein Bund Petersilie und die Blätter von 4 Minze Zweigen fein gehackt und dazu gegeben. Was nun noch fehlte, war der Zitronensaft. bei mir waren es zwei Zitronen und ich fand es lecker, meine Kollegin sagte aber, dass es mehr Zitrone hätte sein können. Nun noch mit Salz und Pfeffer abschmecken. Fertig.

Es war wirklich lecker und ich kann mir den Salat sehr gut als Beilage zu Fleisch, besonders für die nächste Grillparty, vorstellen. Beim Frühstück ist der Salat aber auch gut angekommen. Ich habe zwar erfahren, dass der Salat eigentlich simpler hergestellt wird (Ohne z.B. das Anrösten des Paprika- und Tomatenmarks), aber geschmacklich kam ich wohl zumindest dicht dran. Und eine weitere Kollegin sagte, sie möge zwar generell nicht so gerne Bulgur, mein Salat sei aber sehr lecker.

Das nenne ich einen Erfolg!

Kısır! Lecker!

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ein Kommentar

  1. Mit dem Gericht bekommt man Urlaubsfeeling nach Hause.

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